Remembering, everything, about my world and when you came.
Die Geschichte von Tanuir Nachtwind

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Nachtwind

Eine kühle Windbrise strich durch die Nacht, untermalt vom knistern eines Feuers. Der monderhellte Nachthimmel war schwarz verdunkelt. Dunkler als sonst. Es herrschte eine unangenehme Stille im Wald. Selbst die Tiere schienen erwartungsvoll zu schweigen. Tanuir vergrub sein Gesicht tief in den Seidengewändern der Frau, die ihn zitternd und schützend umarmte. Von den Anderen um sie herum nahm er nicht viel mehr als vage Schatten wahr, doch er wusste, dass sie da waren. Dann wurde die unnatürliche Stille der Nacht unterbrochen. Ein leises Pochen in der Ferne. Rhythmisch. Es war der dumpfe Schlag von Luft, wie er entsteht wenn man mit einem Ast schnell zuschlägt. Das dumpfe schlagen der Luft wurde lauter, immer lauter und lauter, bis es schließlich die Umgebung erfüllte, ja sogar kleine Äste und Zweige beben lies. Tanuir begann zu wimmern, die Umarmung der Frau verstärke sich krampfhaft. Jetzt konnte er auch die Anderen hören, leise, von den dumpfen Schlägen beinah übertönt. Verzweifeltes schluchzen. Dann war es still. Es war nur noch das wimmern und schluchzen zu hören. Minuten verstrichen und die Anderen beruhigten sich wieder. Tanuir wagte es, sein Gesicht aus dem Seidenkleid der Frau hervor zu schieben und in den Nachthimmel zu starren. Die Sterne waren kaum zu sehen, wie unter einer schwarzen Wolke verdeckt, schimmerten sie nur ganz schwach hindurch, doch sie gaben nicht auf, die schwärze zu durchdringen. Tanuir starrte weiterhin auf die Sterne. Er mochte die Sterne, sie beruhigten ihn. Irgendwie erschien es Ihm, als würden sie ihm beistehen wollen, als würden sie seinen Namen rufen. Dann verschwanden die Sterne, und der Himmel ging in Feuer auf, welches sich auf sie herabstürzte. Die Anderen schrieen, die Frau packte Tanuir und lief davon, doch er konnte nicht aufhören nach oben zu starren. Es brannte lichterloh um sie herum, alles stand in Flammen. Die Bäume, Ihr Zuhause, und die Büsche, einfach alles. Tanuir vergaß nie, was er in dieser Nacht sah: Geflügelte Schwingen, karmesinrot, umleuchtet vom schwachen Licht des Flammenodems, der auf sie herabstürze. Ein riesiger Schädel, den Mund weit geöffnet, Feuer speiend. Und diese Augen … Voller Hass und Abscheu. Ein Drache. Die Frau stolperte, und fiel hin. Tanuir landete ein paar Meter vor Ihr. Plötzlich war das knacken von berstendem Holz zu vernehmen. Ein Baum, welcher wie eine Fackel in der Nacht brannte, stürzte um. Die Frau streckte Ihre Hand Tanuir entgegen, Ihre Augen weit aufgerissen in Furcht, gefüllt mit Tränen. Es waren nur wenige Meter zwischen Ihnen, sie waren nah beieinander, und doch so weit entfernt. Dann fiel der Baum, wie in Zeitlupe. Tanuir streckte seine Hand der Frau entgegen, doch er war zu klein, er konnte sie nicht erreichen. Dann schlug der Stamm auf dem Erdboden auf und die Hitze der Feuersbrunst biss sich in Tanuirs Tränenüberströmtes Gesicht. Alles war verschwommen, er sah nur noch neckisch die Flammen tanzen. „Mutter!“, brüllte er, und es war das letzte, an das er sich erinnerte.

 

Wind der Veränderung

Eine kühle Brise strich durch die Nacht und lies ein paar Blätter sanft im Wind schwingen. Viele Monde sind vergangen, seid Tanuir seine Mutter verloren hatte. Er war nun mehr kein Kind, sondern ein Mann. Er war groß und stark geworden. Wieder einmal fragte er sich, ob seine Eltern auf Ihn stolz gewesen wären. Nachdem auch seine Mutter gestorben war, wuchs er bei Freunden seiner Eltern auf. Sein Vater war gefallen, im Krieg. Tanuir konnte sich nur schwach daran erinnern, wie sein Vater mit den Anderen Bogenschützen nach Westen ritt, um den Menschen dort zu helfen. Er konnte sich aber noch genau an den Abschied erinnern. Er griff an seinen Hals und zog ein Amulett hervor. Es war das Symbol von Pelor, geschnitzt aus feinstem Eichenholz, doch eine Ecke an der unteren Seite eines der Sonnenstrahlen war abgebrochen. Tanuir hatte die Ecke vor nahezu einem halben Jahrhundert abgebrochen, als er als Kind damit spielte. Er musste lächeln, als er daran dachte, welche Vorwürfe er sich damals gemacht hatte. Das Amulett hatte seinem Vater sehr viel bedeutet. Doch am Tag seiner Abreise legte er es Tanuir um den Hals und klopfte ihm ermutigend auf die Schulter. „Nimm du es, mein Sohn. Soll es dir Glück bringen und deinen Pfad erleuchten, den du beschreiten wirst.“, hatte er gesagt. Ob sein Vater den Pfad, den er nun wählte, billigen würde, glaubte Tanuir kaum. Er hatte fast 80 Jahre bei seiner Ziehfamilie und den Anderen gelebt, doch … irgendwie war Tanuir anders. Er konnte es sich nicht erklären. Wo die Anderen ein vergnügtes Leben lebten, sann er auf Ordnung und Bestimmung. Wo die Anderen sich nicht für dass Interessierten, was außerhalb Ihres Waldes geschah, war er noch so interessierter. Und dann war da noch die eine Sache, die er nie jemandem erzählt hatte: Seine besondere Beziehung zu den Sternen. Seit dem Tag des Verlustes seiner Mutter schaute Tanuir immer öfters hoch zu den Sternen und zur Sonne, hörte Ihren Ruf. Er konnte es sich nicht erklären, aber es zog Ihn einfach weg, weit weg von Zuhause, von den anderen Elfen. Er träumte davon durch die Lande zu reisen, gutes zu tun, neues erleben und Ordnung in die Welt zu tragen. Seufzend schob Tanuir das Amulett zurück unter sein Kettenhemd und ließ die Hand wie gewohnt auf dem Schwertgriff ruhen. Er drehte sich noch ein letztes Mal um und ließ seinen Blick über die Wohnungen der Anderen in den Bäumen streifen. Die meisten des Dorfes entspannten sich gerade in einer Art Träumerei, er konnte es fühlen. Die Träumerei verband die Elfen untereinander, in Ihr durchleben sie viele Situationen aus der Vergangenheit, um sich zu entspannen. Tanuir nickte zum Abschied der Siedlung zu, wandte sich dann ab, band sich ein grünes Kopfband um, so dass seine auffälligen elfischen Ohren nicht zu sehen waren, und wanderte dann aus dem Wald in Richtung der nächsten Siedlung der Menschen. Zumindest hieß es immer, dass im Westen eine Siedlung sei. Tanuir war noch nie außerhalb des Waldes, er kannte die Welt dort draußen nicht, schon gar nicht Ihre Einwohner…

 

Wind der Zukunft

„Hoo, mein Ross!“, rief der Reiter und zügelte sein Pferd. Er kam Tanuir auf der weiten, staubigen Straße schnell entgegen geritten, und neigte sich nun vor ihm leicht zum Gruß. Der Reiter war in einen schweren Brustpanzer gekleidet, auf dessen Brust groß das Zeichen Pelors prangte. An seiner Seite hing die scheide eines Langschwerts und auf seinem Kopf ruhte ein wuchtiger Helm, welcher seine Stimme metallisch Hohl klingen ließ. „Ich grüße Euch, Wandersmann. Ich bin Orick, Diener des Pelor. Man sandte mich von der Feste Felswacht, um euch zu warnen: Orks streifen diese Lande. Es ist gefährlich, allein zu reisen, auch wenn Ihr ein Schwert tragen mögt. Lasst mich euch zur Feste geleiten. Dort könnt Ihr auf eine Karawane warten, um weiter zu reisen.“ „Wahrlich ? Das war mir nicht bewusst. Ich danke euch vielmals, Orick.“, erwiderte Tanuir. Das Pferd des Ritters schnaubte und trat unwohl von einem Fuß auf den Anderen, und auch der Reiter schien sich nervös um zu schauen. „So nehmt Platz auf meinem Ross, Wandersmann“, sagte Orick, nachdem er einige Male in die Ferne gestarrt hatte. Tanuir erklomm das Ross und Orick gab dem Pferd schnell die Sporen und sie ritten in vollem Gallop die Straße entlang. Nach einem Ritt von ein paar Minuten sah Tanuir die Feste: Sie war aus festem Stein auf einem kleinen, felsigen Hügel erbaut, gerade groß genug um der kleinen Feste platz zu gewähren. Die Feste selbst bestand aus zwei Türmen, einer davon ein Bergfried, sowie Stallungen aus Holz, einem weiteren, größeren Gebäude aus Stein und ein paar kleineren Holzhütten. Umringt war die Feste von Palisaden, verstärkt von einem stabilen Wall aus Holz mit kleinen Laufstegen für einen Mann in der Breite. Tanuir verzog das Gesicht, als er die Palisaden und die Holzhütten sah. Er verstand nicht, wieso die Menschen nicht auch in den Bäumen wohnten. Sie waren doch viel schöner und günstiger so zu bewohnen wie sie waren, als sie zu fällen, in Stücke zu hauen und dann in diesen eckigen Konstruktionen wieder zusammen zu bauen. In der Feste angekommen wurde Tanuir von den meisten herzlich empfangen. Ihm wurde Unterkunft und Essen geboten, im Gegenzug bot man ihm an, ein wenig bei Arbeiten zu helfen. Es war zwar keine Pflicht, aber es wurde erwartet, dass man auch mal Hand anlegte für das tägliche Abendbrot. Wie Tanuir lernte, handelte es sich bei der Feste um einen Grenzwachposten des Menschenreiches Rimulon, welcher hauptsächlich wegen den herumstreifenden Orks und Banditen aus dem nahen, kleinen Gebirge dort stand und nicht etwa Aufgrund der Elfen, welche man schon seit hunderten an Jahren nicht mehr gesehen hat, wie Orick sagte. Die Feste wurde größtenteils von Dienern des Pelor bewohnt, Ritter, oder auch Paladine, wie sie sich nannten. Es gab auch zwei Priester in der Feste, der eine ein Lehrling, vom anderen hieß es, er könne Magie wirken, welche Ihm Pelor gewährte. Tanuir verbrachte lange Stunden damit, mit den Rittern zu reden. Er mochte Ihre Einstellung, Ihre Moral. Sie wollten Recht und Ordnung verbreiten, wie er. Es war eines Abends, als Orick davon sprach, wie er von Pelor berufen wurde, um in den Dienst des Glaubens zu treten, als Tanuir verstand, warum er glaubte die Sterne und die Sonne würden Ihn rufen. Tanuir konnte nicht anders, er sprang mitten in der Erzählung von Orick freudig auf und suchte den Hohe Priester des Pelor in seiner Kammer auf. Er bat den Priester, dass er ebenfalls ein Paladin werden möchte, erzählte ihm von seiner Beziehung zu den Sternen und seinem Wunsch, gutes zu tun. Nach einem Gespräch gewährte der Priester Tanuir schließlich eine Aufgabe, um seine Berufung zu prüfen …